Aktion „Freie Szene stärken“

Die kulturelle Marketinginitiative hat nun  ein Positionspapier „Essen – Freie Szene stärken“ mit zahlreichen Hinweisen und Forderungen verfasst, dass  stadt- und landesweit an relevante Entscheider und Akteure aus dem Kultur- und Politikbereich verschickt wurde. Tenor des Papiers: Die freie Kulturszene bildet – neben den großen kommunalen Einrichtungen, Theatern und Museen – einen bedeutenden Anteil des Essener Kulturlebens. Ohne sie würde das kulturelle Angebot in der Stadt erheblich eingeschränkt sein und an Vielfalt, Qualität und Quantität deutlich verlieren. Die bisher eher marginale Förderung durch die Stadt steht aber in keinem Verhältnis zur Bedeutung und Leistung der Freien. Um zukunftsfähig zu bleiben und neue Entwicklungen zu ermöglichen, muss sich daher die kommunale Förderung dieses Kulturbereich substantiell verbessern.

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Welche Bedeutung der freie Kulturbereich in der Stadt aufweist, macht eine Umfrage aus dem Jahr 2009/2010 deutlich: mehr als 400.000 Besucher wurden in über 2800 Veranstaltungen gezählt. Im Vergleich: in der Spielzeit 2009/2010 fanden in den Spielorten der Theater- und Philharmonie GmbH 919 Aufführungen und Konzerte mit rund 375.000 Besuchern statt.

Schlechte materielle Ausstattung, perkäre Beschäftigung, ein hoher Anteil an Ehrenamtlichkeit sowie mangelnde Experimentiermöglichkeiten zeichnen die Lage der Freien seit Jahren aus. Nun fordern Sie unter anderem eine Erhöhung des Budgets zur Förderung der Freien Kultur in Essen von bisher 3,5% auf 10% des Kulturetats von zur Zeit 93,2 Mio Euro. Mit den zusätzlichen Mitteln soll die Situation der bestehenden freien Einrichtungen, Gruppen und Kulturschaffenden entscheidend verbessert, aber vor allem auch neuen und jungen Gruppen und Initiativen Fördermöglichkeiten geschaffen werden. Des weiteren fordert die Initiative der Freien eine bessere personelle Ausstattung des Kulturbüros für Beratung, Information, Marketing und Hilfe beim Sponsoring und bei der Vernetzung.

Finanziert werden sollen die Maßnahmen aus einer Erhöhung des ohnehin eher kleinen Kulturetats der Stadt. Eine Umverteilung von Mitteln aus dem Etat der Theater- und Philharmonie ist für die Verfasser des Papiers keine Lösung „Die kulturelle Marketinginitiative begreift die unterschiedlichen Produktionsstrukturen von Kunst und Kultur in Essen als eine gemeinsame Kultur- und Kreativlandschaft, die die Identität und das Image der Stadt bedeutend mitprägen“. „In Zeiten, wo trotz kommunaler Finanzkrise für Wirtschaftsbereiche wie die Messe Essen sechsstellige Millionenbeträge verhandelt werden, muss esdaher auch möglich sein, kreative, dynamische und erfolgreiche Bereiche wie die Freie Kultur in Essen angemessen zu unterstützen. Auch hier entstehen – neben den künstlerischen und kulturellen Leistungen – neue Wertschöpfung, positives Stadtimage und auch neue Arbeitsplätze“, so die Initiatoren.

Zwischenzeitlich hat sich die kulturelle Marketing-Initiative mit ähnlichen Gruppen aus Berlin, Hamburg und Münster vernetzt. Auch dort wie in vielen anderen Kommunen ist die Situation der Freien ähnlich prekär, obwohl Städte wie Berlin und Hamburg mit den Aktivitäten der Kreativszene ihr Stadtmarketing betreiben. Aber auch in Essen und im Ruhrgebiet wird mit den freien Gruppen geworben. So schreibt der Regionalverband Ruhr im Informationsportal für die Metropole Ruhr und das Ruhrgebiet: “

„Künstler und Kreative sind wichtige Akteure für die Erneuerung des Ruhrgebiets. Sie greifen aktiv in die Gestaltung der Metropolregion ein, geben dem Wandel des Ruhrgebiets Inspiration und Antrieb – und das bereits seit langem. So waren es in vielen Fällen künstlerische Experimente, kreative Zwischennutzungen und mutige Geschäftsideen, welche die Neunutzungen industriekultureller Orte und die Initiierung neuer wirtschaftlicher wie sozialer Entwicklungen ermöglicht haben“
(Quelle: http://www.metropoleruhr.de. Informationsportal für die Metropole Ruhr und das Ruhrgebiet. Hrsg.: Regionalverband Ruhrgebiet)

Das Positionspapier wird zur Zeit von 23 der wichtigsten freien Einrichtungen und Gruppen in Essen sowie vom Essener Kulturbeirat unterstützt. Weitere Unterstützer sind willkommen.

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